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19.09.2026

ILF-Neurofeedback nach dem Othmer-Verfahren verständlich erklärt

Wer sich zum ersten Mal mit Neurofeedback beschäftigt, stößt schnell auf Abkürzungen, die niemand erklärt. ILF-Neurofeedback ist eine davon. In meiner Privatpraxis in Berlin Friedrichshain arbeite ich schwerpunktmäßig mit diesem Verfahren. Dieser Beitrag ordnet ein, wofür die drei Buchstaben stehen, was hinter dem Othmer-Verfahren steckt und worin es sich vom klassischen Frequenzbandtraining unterscheidet.
Von: Iven Pechmann
Frau im Sessel nutzt Tablet mit Neurofeedback-Stirnband und Kopfhörern, die an ein mobiles Gerät an ihrer Bluse angeschlossen sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • ILF steht für Infra Low Frequency, also für sehr langsame Signale der Hirnaktivität
  • Das Verfahren ist unter dem Namen Othmer-Verfahren bekannt und wird seit rund 25 Jahren in Deutschland erforscht
  • Es ist eine Weiterentwicklung und Kombination aus klassischem Frequenzbandtraining und der Arbeit mit sehr langsamen Hirnsignalen
  • Ihre persönliche Trainingsfrequenz wird in den ersten Sitzungen ermittelt, es gibt keine Einstellung, die für alle passt
  • Ergänzend kommen Synchronie-Training und Alpha-Theta-Training zum Einsatz
  • In der Regel sind 20 bis 40 Sitzungen sinnvoll, mindestens einmal pro Woche

Was ist ILF-Neurofeedback?

ILF-Neurofeedback ist ein Training der Selbstregulation. Sensoren messen die Aktivität Ihres Gehirns, ein Computer wertet sie aus und gibt sie Ihnen unmittelbar zurück, meist über ein Bild auf einem Bildschirm. Ihr Gehirn bekommt dadurch ein Abbild seiner eigenen Arbeitsweise und kann darüber lernen, sich besser selbst zu steuern. Das klingt technischer, als es sich anfühlt. Sie müssen während einer Sitzung nichts leisten, nichts lösen und sich auf nichts konzentrieren. Sie sitzen, schauen auf den Bildschirm und Ihr Gehirn reagiert auf die Rückmeldung, ohne dass Sie bewusst etwas dafür tun müssen. Der Begriff Selbstregulation beschreibt die Fähigkeit, zwischen Anspannung und Entspannung umzuschalten und nach einer Belastung wieder herunterzukommen. Diese Fähigkeit ist erlernbar, und genau daran arbeitet das Training.

Wofür steht die Abkürzung ILF?

ILF steht für Infra Low Frequency, auf Deutsch also für Frequenzen unterhalb des niedrigen Bereichs. Gemeint sind sehr langsame Signale der Hirnaktivität, die unterhalb dessen liegen, womit klassisches Neurofeedback üblicherweise arbeitet. Das Training dieser sehr langsamen Anteile ist das Kennzeichen des Verfahrens. Wer sich schon eingelesen hat, kennt womöglich die bekannteren Frequenzbänder mit den griechischen Namen. Diese Einteilung beschreibt schnellere Signale. Die sehr langsamen Signale, um die es beim ILF-Neurofeedback geht, liegen darunter und wurden lange kaum beachtet, weil die Messtechnik sie nicht zuverlässig erfassen konnte.

Was das Othmer-Verfahren ausmacht

Das Othmer-Verfahren ist der gebräuchliche Name für die Arbeit mit diesen sehr langsamen Frequenzen. In Deutschland wird das Verfahren seit rund 25 Jahren erforscht und angewendet. Es wird deutlich seltener angeboten als das klassische Frequenzbandtraining, was schlicht daran liegt, dass es eine eigene Ausbildung voraussetzt. Ich selbst bin seit 2019 in Biofeedback und Neurofeedback ausgebildet und arbeite seit 2021 nach dieser Methode. Als Diplom-Psychologe mit Verhaltenstherapie-Ausbildung bringe ich dabei einen psychologischen Hintergrund mit, den viele Anbieter im Bereich Neurofeedback nicht haben. Der zweite Name für dasselbe Verfahren sorgt regelmäßig für Verwirrung. ILF-Neurofeedback und Othmer-Verfahren meinen dieselbe Sache. Wenn Sie beide Begriffe auf einer Website lesen, beschreiben sie kein zusätzliches Angebot.

Worin sich ILF-Neurofeedback vom klassischen Frequenzbandtraining unterscheidet

Der Unterschied liegt im trainierten Frequenzbereich, nicht im Prinzip. Klassisches Frequenzbandtraining arbeitet mit schnelleren Signalen und verstärkt oder dämpft einzelne Bänder gezielt. Das ILF-Verfahren setzt darunter an, bei den sehr langsamen Anteilen, und versteht sich als Weiterentwicklung und Kombination beider Ansätze. Das ist ein wichtiger Punkt, weil die beiden Verfahren oft als Gegensatz dargestellt werden. Sie sind keiner. Das klassische Frequenzbandtraining ist im Verfahren enthalten und lässt sich im Verlauf einer Behandlung ergänzend einsetzen, wenn es sinnvoll erscheint. Praktisch bedeutet das für Sie: Wenn Sie sich bereits mit Neurofeedback beschäftigt und dabei vom Frequenzbandtraining gelesen haben, müssen Sie nicht umdenken. Sie erweitern Ihr Bild um einen Bereich, der dort nicht vorkam.

Warum die individuelle Trainingsfrequenz entscheidend ist

Es gibt bei diesem Verfahren keine Standardeinstellung, die für alle Menschen gleich gut passt. Die optimale Trainingsfrequenz ist individuell verschieden, und sie lässt sich nicht aus einem Fragebogen ableiten. Deshalb taste ich mich in den ersten Sitzungen schrittweise an Ihre persönliche Frequenz heran. Das ist der Punkt, an dem sich individuelle Arbeit von einem festen Schema unterscheidet. Ich beobachte, wie Sie auf eine Einstellung reagieren, bespreche mit Ihnen, was sich zwischen den Terminen verändert hat, und passe an. Diese Rückmeldungen von Ihnen sind für den Verlauf genauso wichtig wie die Messwerte. Aus demselben Grund ist das Verfahren symptomorientiert. Es richtet sich danach, was Sie konkret belastet, und setzt keine feste Diagnose voraus.

Synchronie-Training und Alpha-Theta-Training als Ergänzung

Neben dem eigentlichen Training gibt es zwei Spezialprotokolle, die ich ergänzend einsetze. Beide sind kein separates Verfahren, sondern Bestandteile derselben Methode, die im Verlauf einer Behandlung hinzukommen können, wenn sie zum jeweiligen Anliegen passen. Beim Synchronie-Training geht es um das Zusammenspiel unterschiedlicher Bereiche der Hirnaktivität. Das Alpha-Theta-Training arbeitet mit dem Übergangsbereich zwischen wachem Entspannen und dem Zustand kurz vor dem Einschlafen. Ob und wann diese Protokolle sinnvoll sind, entscheidet sich nicht am Anfang, sondern im Verlauf. Deshalb steht am Beginn immer ein Behandlungsplan, der angepasst wird, und keine feste Abfolge von Sitzungen.

Welche Technik dabei zum Einsatz kommt

In meiner Praxis arbeite ich mit dem NeuroAmp der Firma BeeMedic und der Software Cygnet. Das Gerät misst ausschließlich, es leitet nichts in den Körper ein. Was Sie während einer Sitzung spüren, sind die Sensoren am Kopf, mehr nicht. Die Sitzungen finden ausschließlich vor Ort in meiner Praxis im Hausburgviertel in Friedrichshain statt. Neurofeedback zum Mitnehmen oder als Anwendung für zu Hause biete ich nicht an, weil die Anpassung der Trainingsfrequenz laufende Beobachtung voraussetzt.

Für wen ILF-Neurofeedback infrage kommt

Zu mir kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Anliegen. Häufig geht es um innere Unruhe und kreisende Gedanken, um Schlaf, um Erschöpfung oder um Konzentration. Daneben arbeite ich mit Menschen ohne Diagnose, die beruflich oder sportlich an ihre Grenzen gehen und besser abschalten möchten. Für beide Wege gilt dasselbe: Ob das Verfahren zu Ihrem Anliegen passt, lässt sich nicht pauschal beantworten und schon gar nicht über eine Website. Deshalb steht am Anfang immer ein persönliches Gespräch. Körperliche Erkrankungen behandle ich nicht. Dafür wenden Sie sich bitte an einen Arzt.

Über den Autor

Iven Pechmann
Diplom-Psychologe und Heilpraktiker für Psychotherapie
Privatpraxis für Neurofeedback in Berlin Friedrichshain. Persönliche 1:1-Betreuung, spezialisiert auf das ILF-Verfahren nach der Othmer-Methode.

Häufige Fragen zum ILF-Neurofeedback

Ist ILF-Neurofeedback dasselbe wie Neurofeedback?

Nicht ganz. Neurofeedback ist der Oberbegriff für alle Verfahren, die Hirnaktivität messen und zurückmelden. Das ILF-Verfahren ist eine bestimmte Ausprägung davon, die mit sehr langsamen Frequenzen arbeitet. Jedes ILF-Neurofeedback ist also Neurofeedback, aber nicht jedes Neurofeedback arbeitet mit dem ILF-Ansatz.

Wie viele Sitzungen sind üblich?

In der Regel sind 20 bis 40 Sitzungen sinnvoll, meist einmal pro Woche über einen Zeitraum von 20 bis 40 Wochen. Das Verfahren ist ein Training und wirkt über die Wiederholung, ähnlich wie regelmäßiger Sport. Wie viele Sitzungen in Ihrem Fall sinnvoll sind, besprechen wir im Erstgespräch.

Brauche ich eine Diagnose?

Nein. Das Verfahren ist symptomorientiert und richtet sich danach, was Sie konkret belastet. Eine feste Diagnose ist keine Voraussetzung dafür, dass wir miteinander arbeiten können. Das ist besonders für Menschen relevant, die im Rahmen von Coaching und Peak Performance zu mir kommen und gar kein Krankheitsbild mitbringen.

Was ist der Unterschied zum Othmer-Verfahren?

Es gibt keinen. Othmer-Verfahren ist ein zweiter Name für dasselbe Vorgehen. Beide Bezeichnungen stehen für die Arbeit mit sehr langsamen Frequenzen der Hirnaktivität. Wenn eine Praxis beides nebeneinander aufführt, beschreibt sie damit kein zusätzliches Angebot, sondern verwendet zwei gebräuchliche Begriffe.

Wie finde ich heraus, ob das Verfahren zu mir passt?

Im kostenfreien Erstgespräch vor Ort. Es dauert 30 bis 60 Minuten und dient genau dieser Frage. Wir schauen gemeinsam auf Ihr Anliegen, ich erkläre das Vorgehen und Sie entscheiden danach in Ruhe. Eine Verpflichtung entsteht daraus nicht.

Wenn Sie nach dem Lesen das Gefühl haben, dass ILF Neurofeedback für Sie infrage kommen könnte, schreiben Sie mir.